Saubere Flüsse, bessere Trinkwasserqualität

DVGW-Technologiezentrum Wasser begleitet Flussreinigungsprojekt in Jieyang

 Anja Barlen-Herbig |   |  Umwelt , Galvanik , MEC–Unternehmen , Metallindustrie

Saubere Flüsse und eine hohe Qualität des Trinkwassers – die Stadtregion Jieyang in der südchinesischen Provinz Guangdong will neue Maßstäbe für China setzen. In Kooperation mit dem TZW: DVGW-Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe sollen die Flüsse der Metall- und Textilstadt wieder sauber werden. Oberbürgermeister Chen Dong hat das Vorhaben angestoßen. Ein Team des TZW war im Oktober vor Ort und hat erste Wasserproben entnommen. Weitere Reisen sind für die nächsten Monate geplant. Die Zhongde Metal Group GmbH steuert und begleitet das Großprojekt.
„Unser Team wurde mit offenen Türen empfangen“, freut sich Dr. Josef Klinger, Geschäftsführer des TZW. „Meine Kollegen konnten Wasserproben entnehmen und Kläranlagen besichtigen. Die Proben werden gerade analysiert. Auf den ersten Blick kann man jedoch sagen: Die Wasserqualität könnte schlechter sein, aber sie entspricht nicht einer lobenswerten Umwelt."
Die Flüsse in Jieyang haben in den vergangenen drei Jahrzehnten unter dem enormen Wirtschaftswachstum gelitten. 7.600 Unternehmen zählt die Metallbranche in Jieyang. Weitere wirtschaftliche Schwerpunkte sind die Textilindustrie sowie die Pharmaindustrie. In Jieyang leben 6,8 Millionen Menschen. Der Hauptfluss „Rongjiang River” der Industriestadt soll saniert und zu einem Standbein für die Trinkwasserversorgung der Stadt aufgebaut werden – und auch die beiden anderen Flüsse der Stadt sollen wieder zu einem intakten Ökosystem werden.
Wasserproben wurden zunächst vom „Rongjiang River” und einem der kleineren Flüsse entnommen, der durch die Textilindustrie belastet ist. Weitere Proben sollen bei den nächsten Aufenthalten in Jieyang entnommen werden. Die Analyseergebnisse fließen in einen Masterplan ein.
„Erst, wenn wir alle Ursachen kennen, kann man eingreifen. Erst dann weiß man auch, welche Maßnahmen für Jieyang geeignet sind. Im Moment stellt es sich so dar, dass der Anschlussgrad von Unternehmen und Siedlungen der Hauptpunkt ist. Technologisch sind die Kläranlagen in Jieyang entsprechend ausgestattet. Für die Aufbereitung kommunaler Abwässer braucht es kein Hightech“, so Klinger. „Um die Wasserqualität zu steigern und auf Dauer zu halten, bedarf es jedoch eines umfassenden Umstrukturierungsprozesses.“
Die Kommunen, die Unternehmen – aber auch die Bevölkerung müssten daran beteiligt sein. Es müsse ein Bewusstsein für nachhaltigen Umweltschutz geschaffen und die Finanzierung gesichert werden, etwa durch höhere Abwassergebühren. „Das alles gelingt nicht von heute auf morgen – in Deutschland hat die nachhaltige Steigerung der Wasserqualität verunreinigter Flüsse 20 Jahre gebraucht“, weiß Klinger, der mit dem TZW auch für die Bewertung des Rheins aus Sicht der Wasserversorger zuständig ist.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war Europas wichtigste Binnenwasserstraße – der Rhein – ökologisch verödet. Nach dem Chemieunfall bei Sandoz nahe Basel Mitte der 1980er Jahre, waren die Folgen für die Umwelt nicht mehr zu übersehen. In dem rot gefärbten Fluss starben die Fische, die Trinkwasserversorgung brach in einigen Regionen zusammen. Die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Rheineinzugsgebiet (IAWR) – die ebenfalls das Flussprojekt in Jieyang begleitet – setzt sich seit 1970 für die Verbesserung der Wasserqualität im Rhein ein.
Das Vorhaben in Jieyang blieb auch dem Umweltministerium der Provinz Guangdong nicht verborgen. Umweltminister Lu Xiulu besuchte das TZW bereits in Karlsruhe. Er möchte mit Unterstützung der deutschen Wasserexperten weitere Flüsse in der Provinz Guangdong reinigen und ein Kompetenzzentrum aufbauen. Die nächsten Reisen nach Jieyang sind für Februar und März 2018 geplant.